Nice steht im englischen für “niedlich” und “schön”, aber auch für die Stadt im Süden von Frankreich: Nizza. Da ich noch einige Tage Urlaub hatte und es bei keiner der Günstig- Airliner die “Hammer- Tiefst- Preise” gab, entschied ich mich für drei Tage Nizza.
Bekannt ist die Stadt an der Cote d’ Azur nicht nur als Schauplatz für den großartigen Film “Über den Dächern von Nizza” mit …., nein, auch als Zielflughafen der Reichen und Schönen. Diese Menschengattung verschlägt es jedoch rasch per Motorboot oder Helikopter in das 20 Minuten entfernte Monaco.
Ich versprach mir viel von der kurzen Zeit und freute mich ins Warme zu kommen, nach den Wettermieseren in Köln. Und tatsächlich: Mit einem kräftigen und harten Aufschlag ladete meine Germanwings- Maschine in Nizza. Der Anflug entlang der Küste mit dem blauem Meer und den steilen Hängen war wundervoll.
Eine Zigarettenlänge später suchte ich auf dem Provinz- Flughafen, unglaublich, aber Nizza ist einer der Größten in Frankreich, nach dem Bus Richtung Zentrum. Meine Hotelbestätigung hatte ich, aber keinen Ausdruck, geschweige einen Stadtplan. Blauäugig und relaxt fuhr ich entlang des Strandes gen Nice- Centre entgegen. Mein Gefühl sagte mir das ich richtig bin. Also raus aus dem Bus, zwei Querstrassen rüber und… mein Hotel. Unglaublich, hätte ich Muskeln am Oberarm, ich hätte sie innig geküsst.
Es war jedoch noch zu früh für den Check-In. So erkundete ich die Stadt. Oder war es nur ein Dorf? Enttäuscht suchte ich nach schönen Ecken, welche Stadt vielleicht einzigartig machten. Nichts. Der alte Hafen: zugepflastert und verdreckt. Die Altstadt mit dem tollen “Notre- Dame du Port” in Mitten baufälliger Substanz und die Innenstadt eine zusammenhängende Baugrube.
So schnell geht meine Laune jedoch nicht rum und ich checkte ein.
“Hotel Brice” nennt es sich. Keine Ahnung warum, aber es ist sehr schön, viel Grün und eine nette(!) Dame welche sogar englisch sprach. Glücklicherweise wurde irgendwas bei meiner Reservierung vertauscht und so konnte ich es mir in einem Doppelzimmer gemütlich machen: Unter dem Dach mit Blick auf Nizza- Zentrum.
Von Nizza hatte ich bereits alles Sehenswerte gesehen, doch was mache ich morgen? Die Überlegungen gingen los, mein Kopf qualmte, dies jedoch von der stechenden Sonne, und mir schwirrte die Landkarte entgegen… Monaco! Genau, Monaco ist gar nicht weit weg.

Nachdem ich mir bewusst war was ich mache führte es mich zum Strand: Urlaub! Überall am Strand verteilt gibt es kleine Bars mit Gartenstühlen und gemütlichen Flechtsofas, direkt am Strand, quasi im Meer. So liess ich mich nieder und bestellte mir ein Bier. “One large beer, please” Ein Satz und drei Probleme: 1. die Franzosen haben es nicht so mit Fremdsprachen, die eigene ist ja immer die Schönste und wer diese nicht spricht, f*** Dich. 2. er, ein junger Käsehautfarbener Italo- Typ, hatte nur Carlsberg. 3. Acht, in Zahlen “8″ Euro wollte er dafür!
Erstens war mir bekannt und ich versuchte freundlich zu bleiben, zu zweitens: Ich werde es überleben. Und Drittens: Acht Euro für 0,33cl Carlsberg- Plörre… das habe ich das letzte Mal auf Island erlebt. Aber… Urlaub!
Nach dem Stranderlebnis hatte ich Hunger und so langsam wurde es auch spät. In der Fußgängerzone fand ich einen preiswerten italienischen Franzosen, welcher eine traumhafte Pizza Mozarella zauberte. Das Maß Bier schmeckte aber auch. Richtig rührend kümmerte sich Luiggi, heissen die nicht alle so, um mich. Er sprach nur italienisch und französisch, ich deutsch und englisch. Perfekt für eine Show der Körpersprache. Leider unterliegen wir Deutschen in dieser Disziplin den Italos ohne jegliche Chancen. Nett war es trotzdem und das Luiggi mir erklärte das das Oliven- Öl kein Schnaps wäre, verstand ich auch.
Der Tag konnte nach dem Abendessen nicht schneller zu Ende gehen. Ich war geschafft und tod müde. Das frühe Aufstehen, die Sonne und die Wärme zollten ihren Tribut. Gute Nacht!Die ganze Nacht hatte es gestürmt, draussen. Ich wälzte mich nur in meinem Doppelbett und versuchte mich zu zudecken. Doch welche der drei Lagen nehmen? Einfach alle drei verteilt auf meine zwei Meter, Fenster zu und weiter ratzte ich.
Ich erwachte bereits um sechs Uhr. Viel zu früh. Aber schlafen, dass ging auch nicht mehr. Dösend wälzte ich mich von links nach rechts und umgekehrt bis es schliesslich um Neun war. Aufstehen!
Nach dem Duschen und Anziehen legte ich neue Batterien in die Kamera und sattelte den Rucksack. Ab ging es nach Monaco – dem Paradies der Schönen und Reichen.
Ich hatte überlegt ob ich mit dem Bus nach Monaco fahre, entschied mich jedoch für die Eisenbahn. Der Ticketkauf gestaltete sich als das Einfachste an der ganzen Reise im südfranzösischen Nahverkehr. Schon bei der Gleissuche scheiterte ich kläglich. Da keine Fahrpläne aushingen, irrte ich herum. Ich stoss dann darauf, dass die Gleise nicht mit Nummern sondern in A, B, C,… aufgegliedert waren. Haben Franzosen nur Bahnhöfe mit maximal 24 Gleisen? Armes Volk! Die Monitore mit Zeitplan und Abfahrtsinformationen, natürlich nur auf französisch entdeckte ich erst recht spät, da war der Zug bereits fern von Nizza. Aber da fährt sicher bald der Nächste.
Auf dem richtigen Gleis, noch 20 Minuten. Es kam eine Durchsage, natürlich wieder nur auf französisch, und viele der Menschen auf dem Bahnsteig flüchteten. Die jenigen welche stehen blieben waren Touristen. Fragende Blicke tauschte ich mit einem Engländer aus, doch begriffen recht schnell das das Gleis gewechselt war. Also ab zu Gleis 1… ich meine A. Da kam auch schon der Zug, nur aus der falschen Richtung. Alle rätselten, nun auch die Einheimischen. Das fragen eines Bahnbediensteten wurde zur Suchaktion. Keiner da. Irgendwie erinnerte mich dies an die Deutsche Bahn AG. Service eher rarr. Dan musste die Polizei herhalten, welche uns mit böser Miene mitteilte das es der richtige Zug sei.
Wenn man an Frankreich denkt, denkt jeder an Wein, Schlösser und Schönheiten. Die Frauen sind wirklich wunderbar, die Züge gleichen jedoch eher Quasimodo, dem hässlichen Glöckner von Notre- Dame. Von Aussen dreckig, wurde es drin nicht besser. Verschmierte Scheiben, stickige Luft und Siztplätze bei denen man doch eher stehen möchte. In meinem Waggon fehlte sogar eine Lehne zwischen zwei Sitzen. Vielleicht bezeichnet dies die SNCF als Kunst, in Deutschland hätten solche Wagen zur Reparatur gemusst.
Die Fahrt war im Gegensatz zur Technik ein Traum. Entlang der Küste der Cote d’ Azur mit ihren schroffen Felswänden und dem blauen Meer ging es in Richtung Monaco.
Das engländische Paar und ich rätselten wann Monaco kommt. Eine Ansage? Nein, nicht einmal auf französisch. Hier kennt sich wohl jeder aus. Aber auch wir schafften den Absprung. Monacos Bahnhof ist komplett im Berg und es führen lange Gänge, Treppen und Rolltreppen hinaus ins Licht. Hier ist sie nun, die Stadt der Schönen und Reichen. Ich vermochte den ersten Eindruck eher als zugebaut und klein empfinden. Doch ich traf alle, die Schönen und die Reichen.
Einmal im Jahr macht die Formel1 ihren Halt in Monaco. Also verfolgte ich die Spuren der F1- Rennstrecke. Ein wahrlich mörderischer Kurs. Die berühmteste Nase Deutschlands, nein nicht Mike Krüger, Michael Schuhmacher vermag hier einiges an Leistung vollbracht zu haben. An den Rennkurs errinnern im restlichen Jahr lediglich einige Bordsteine die rot- weiß gestreift bemalt sind. Eingefleischte Schuhmacher & Co. Fans lecken sich an diesen jedoch die Zunge wund, um einmal den Geschmack des Formel1 Gummis zu schmecken. Ich blieb in der Senkrechten, bewunderte die Strecke und deren Schwierigkeiten und schaute Monaco in allen Facetten an. Die Monacesen (? Monacoer ?) sind unter sich; Ab und zu ein Franzose oder Tourist, aber auf jeden Fall: Dekadenz und Elitär ohne Ende. Überall Mercedes, Lamborghini und Co, Modegeschäfte jenseits meiner finanziellen Möglichkeiten und das Casino. Das Zwischenmenschliche kommt jedoch auch in dem kleinen Reich am Mittelmeer nicht zu kurz: Was für Möglichkeiten es gibt wenn der braungebrannte und muskulöse Polizist der schnieken Biene im Porsche mit einem Augenzwinkern die Kusshand gibt? … zuviele…
Zurück zu den Frauen und der Stadt: Mit den Frauen ins Gespräch zu kommen ist recht schwer. Sie lächeln und sprechen Russisch, Französisch oder Italienisch… zu hoch für mich. Und nicht nur die Frauen, auch die Stadt ist eine Baustelle. Bagger, Krane und Co. wohin man sieht. Sogar die Yachten werden verdeckt. Insgesamt ist Monaco der Mix aus gutem nostalgischem Stil und moderner Bauwut frei nach dem Motto: Nostalgie trifft Plattenbau.
Mit den Errinnerungen und der Gewissheit mein Geld nicht in dem Prunk zu lassen führte mich der Weg wieder zurück nach Nizza. Die Sonne auf meinen Bauch strahlen lassend, das Bier geniessend verbracte ich den restlichen Tag. Morgen geht es zurück in die kalte und verregenete Welt Deutschlands… Auf bald!
This post is tagged 200702_SouthFrance, baeume, bahn, bahnhof, bahnsteig, beach, beer, bier, bill, blau, blue, blumen, brigde, bruecke, casino, church, clouds, curve, eins, eisenbahn, formel eins, formel1, formeleins, france, frankreich, gebaeude, grau, hafen, harbour, haus, himmel, house, kaktus, kasino, kirche, kurve, liegen, mainstation, mar, mediterreanian sea, meer, menschen, mercedes, mittel, monaco, nice, nizza, nostalgie, ozean, people, pflanzen, plants, plattenbau, port, rechnung, reisen, rennstrecke, schiffe, sea, see, ships, sky, sncf, sonne, south, station, strand, strasse, suedfrankreich, sun, train, travel, tren, tunnel, turm, wasser, water, weg, zug























