
Es war die typische Nordamerikanische Schule, überall Kameras, dicke Kinder und ein riesiges Mc Donalds Schild im Eingang. In der Halle schaute Jeffry etwas irritiert um sich und stürmte zur Tür hinaus.
Die eine Woche vor dem Trainingslager in Calgary wollte ich ja eigentlich zum relaxen nutzen. Aber da war noch jemand bei mir im Hotelzimmer, der Janusch. Kaffeeschlürfend sprachen wir darüber das wir noch mit Greg reden müssten wegen der Organisation der Hallenzeiten und wegen der Trainingsspiele. Janusch musste erstmal in die Schule, dafür war er ja schließlich da. Also nicht nur um Kontakte zu unseren Schweizer Freunden zu schaffen. Ich vertrieb mir den Vormittag damit in der Kälte bei 10 Grad am Busbahnhof zu stehen und in den Olympic Park zu fahren, der zugegeben bei geringer, besser gesagt keiner, Schneelage höchst uninteressant und zu weilen langweilig und dreckig wirkt. Auf dem Rückweg, damit ich auch ja pünktlich komme, hatte ich dann etwas Stress, denn der Bus fuhr nur aller 60 Minuten und in Kanada sucht man vergebens nach Haltestellenfahrplänen. Dort muss man selbst ausrechnen, wann der Bus auf der Hinstrecke losfährt und wie lange er bis zu dir benötigt. Dummerweise wusste ich auch nicht wann er losfährt? so stand ich, okay ich lümmelte auf der Bank, natürlich eine knappe Stunde in der Sonne vor dem Olympischen Denkmal.
Geschafft, Janusch war noch nicht da. Die noch schnell in mich geschlungene Pizza drückte im Magen, aber da kam Janusch schon. Also raus, in den C-Train, der Straßenbahn, und ab zur Universität.
Eine schöne Universität. Wirklich schön, auch fürs Auge der männlichen Betrachter sehr reizvoll, und da muss niemand Architektur studieren ? wenn interessiert das schon wenn sich auf den Wiesen überall halbnackte Kandierinnen wälzen?!
In der Halle angekommen! Greg hatte bereits mit dem Training angefangen. Greg war, und ist wohl immer noch, der Head- Coach des Dino?s Volleyball Team, der Collagemannschaft von Calgary. Er ist schnell zu beschreiben: trägt wohl immer Shorts und Turnschuhe, klammert sich an seinem Trainerboard fest und ist sehr wortkarg. Völlig andere Trainingsmethoden, man nennt dies wohl Power- Volleyball. Dann doch lieber das deutsche Relax-Volleyball, öfter mal eine Trinkpause! Er nahm die Jungs schon hart ran. Aber wer hart rangeht, kann auch entspannen und das hätte ich bei den physiotherapeutischen Kräften, welches gleich zwei sehr ansehnliche Damen waren, sehr gerne gemacht.
Das Training war vorüber und wir sprachen alles ab. Glück gehabt, alles wird funktionieren. Zu allem kam noch hinzu dass ich gerne am Training teilnehmen kann. Natürlich, bisschen Bewegung schadet nie.
Irgendwie spürte ich den stressigen Flug und den Jetlag noch immer. So richtig in die G?nge kam ich w?hrend des gesamten Trainings nicht. Trotzdem war es gut, endlich wieder einen Ball in den H?nden haben zu können. Okay, er war Knochenhart und meine Finger taten kräftig weh, aber was tut man nicht alles. Zum Unmut von Janusch der stillschweigend draußen sass, ließ ich es sehr ruhig angehen und störte nicht beim Training. Man muss ja doch nicht alles mitmachen! H?tte gerne Janusch bei dem Training gesehen, aber er jammerte ja über seine Schmerzen am Oberschenkel – zuviel Hometrainer – klar? Beim abschließenden Spiel durfte ich sogar eine Premiere erleben!!! Keiner wird es mir glauben, aber ich habe Annahme – Außen gespielt. Viele Chance hatte ich nicht, aber es machte Spaß und zu schlecht sah ich nicht aus.
Am nächsten Tag sollte ein Testspiel stattfinden. Spielen konnte ich natürlich nicht, aber die Kamera sollte schon zu ihrem Einsatz kommen.
Wir trafen uns am späten Nachmittag und quetschten uns in fünf kleine Autos. Ich fuhr mit Greg. Auf der Fahrt nach Cochrange sprachen wir sehr viele internationale Dialekte. Da war Oleg, oder besser bekannt als Igor, der über die Reichtümer seiner Heimat Kasachstan philosophierte, Tom, welcher mir Mut für Regina machte und meinte es wäre dort nicht, aber gar nichts los, Tobias, der Austauschstudent aus Hamburg und ich der irgendwie nur die H?lfte verstand, kaum Antworten wusste und mit seinem Angels?chsisch nur so in die Fettnäpfchen trat. “What did you said?” – der Standard!
Cochrange, eine traumhafte kleine verschlafene Stadt, welche in meine Top-Ten Liste der Altersresidenzen aufgenommen werden muss! Gleich am Anfang gab es eine Wohnanlage und inmitten dieser einen 18- Loch Golfcourse. Traum! Doch zum Golf spielen war ich nicht da.
Es war eine Schule wie man sie sich wohl vorstellt. Eine Etage, weiße Fensterrahmen, die Flagge – nicht mein Ding! Schule halt. Aber zum Erstaunen war die Turnhalle sehr gepflegt und schön. Nicht beschmiert oder beschädigt. Deutsche lernt daraus! Das goldene “M” über der Tür störte mich etwas, da mein Magen knurrte, ich hätte doch ein Stück Pizza mehr essen sollen. Greg stellte mich bei Jeffry vor, welcher der Schulleiter war. Ein sympatischer Typ mit lichtem Haarwuchs und einer Pädagogenbrille auf der Nase. Nach zahlreichen Höflichkeitsfloskeln “How are you gay” – schaute er nervös in der Gegend herum und stürmte zur Tür hinaus. Irgendwas fehlte ihm wohl noch. Das wars! Kurz danach kam er mit einer riesigen Kanada-Flagge und stellte sie an den Schreibertisch. Gut, die bereits vorhandenen popligen 1×2 Meter Flaggen in der Halle, das reicht nicht. Mein vollstes Verständnis, aber er war glücklich und strahlte mir entgegen. Während die Teams sich warm machten, baute ich die Kamera zusammen und schaute mir die Bilder auf dem Boden und der Wand genauer an. Wirklich schön. Das Highschool-Team waren die Cobras, und so waren überall Cobras gemalt. Hammer!
Nach der Vorstellung der Spieler, einer herzzerreißenden Version der Nationalhymne, Sarah Connor konnte singen, aber den Text nicht, hier war es anders herum!, ging es los. Die Dinos gegen eine Ansammlung alter und aktueller Nationalspieler Kanadas. Nachdem schnellen ersten Durchgang merkte man, dass die alten Hasen zwar Pfiff haben, jedoch kein Team sind. Und richtig, es dauerte auch nur den einen Satz. Danach packten die alten Herren die Trickkiste aus und gewannen schließlich mit 3:1. Beeindruckend fand ich, sorry Namen vergessen. Er war wohl bereits 63 und hatte einen Schlag, wau! Was man einmal gelernt hat, vergisst man nie wieder!
Während ich auf die anderen wartete um wieder irgendwie nach Hause ins Hotel zu kommen, genoss ich noch mal Platz 9 auf der Altersresidenzen Top-Ten Liste in vollen Zügen. Endlich kam auch der letzte unseres Autos gut verpackt mit Eisbeuteln an den Knien aus der Schule und wir konnten los. Mein Englisch war inzwischen immer besser geworden, ein schönes Spiel, viele Leute kennen gelernt, und den Platz in Cochrange rocke ich irgendwann!!!
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