
In schnellen kurzen Schritten kämpft sich der Business-Kasper durch seinen natürlichen Lebensraum; Eine moderne, neutrale Welt voller Lichter, Glanz und Anonymität – dem Flughafen. Bewaffnet mit Handy, Headset und dem kleinen Koffer mit Rollen jagt er vom Gate zur S-Bahn. Seine Gedanken schon bei den vielen Meetings rückt er die Krawatte zurecht und knöpft den schwarzen eleganten Mantel zu.
Die Vorfreude gleich in der S-Bahn sein High-End Mobiltelefon mit Bluetooth, GPRS, ActiveSynch und den anderen lebenswichtigen Spielereien auspacken zu können treibt ihn immer schneller zum Bahnsteig; Das lässt unseren Buisness-kasper auch für einen kurzen Augenblick vergessen, wie verärgert er die Stewardess angemacht hatte, weil der Flug Verspätung hatte: Ganze fünf Minuten! Was für den Kettenraucher die Zigarette, so das Mobiltelefon gür den Business-Kasper. Rauch und Telefonieren: Beides ist nicht an Bord des Flugzeuges gestattet. Da sind fünf Minuten länger – eine Ewigkeit!
In der S-Bahn ist es gemütlich warm, unser Business-Kasper schweift mit seinem Blick durch den Wagen; Viele seiner Artgenossen sind hier anzutreffen. Einige telefonieren sogar schon. Das beunruhigt unseren Business-Kasper. Er hat keinen Empfang… doch jetzt. Und schon wählt es. Training ist alles! Es kommt schliesslich auf jede Sekunde an. Es werden Verabredungen bestätigt die schon seit Wochen klar waren, die persönliche Sekretärin muss Mittagessen vereinbaren und die Frau kommt auch noch dran; Zum Schluss. Bei irgendwem muss er schliesslich den Dampf ablassen über die Unfähigkeit der Fluggesellschaft.
“Wie lange bleiben sie in München?”, tönt es von einem seiner Artgenossen und es startet eine endlose scheinende Unterhaltung wer, wann, wie lange und wo ist. Unser Business-Kasper hat eine gute Ausgangslage, ist er doch heute in München, morgen in Berlin und erst Freitag wieder in Köln: Doch es reicht nicht. Sein Gegenüber sticht souverän mit einem zwei Stunden Meeting und anschliessendem Flug nach London.
Da hatte unser Business-Kasper keine Chance: Er versinkt betrübt im Sitz und starrt das Display seines Mobiltelefons an. Nein; Das kann nicht das Ende sein, ich will wichtiger sein als er. Da fällt es ihm ein: Die Präsentation! Das ist der Trumpf. Hektisch wühlt er in seiner Tasche herum. Zwischen Taschenrechner, Kugelschreibern und Visitenkarten findet er den Ausdruck. Das Staunen des Artgenossen über die farbenfrohe mit einer Fülle an Zahlen und Daten gespickten Tabelle lässt unseren Business-Kasper wieder aufrecht sitzen; Er wirkt stolz und rehabilitiert.
“Ich übernachte heute Abend im Londoner Hilton.” sagt der Artgenosse: “Und Sie?” Unser Business-Kasper knickt ein. Er hatte nicht nur verloren im Kampf um Psyeudo- Wichtigkeit, sondern auch im Eifer des Gefechtes die Station verpasst. Er würde zu spät kommen und keinem ausser ihm selbst könnte er die Schuld geben…
(Die Geschichte basiert auf einem tatsächlichen Erlebnis auf meinem Weg von Köln nach München. Es könnte jedoch an beliebigen Flughäfen der Welt sein!)
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